Was Ihnen Guido Knopp verschweigt – Martin Gilbert: Auschwitz und die Alliierten

Gilberts Untersuchung hat bei Erscheinen der englischsprachigen Ausgabe 1981 in der angelsächsischen Welt nicht grundlos Unbehagen und Erschrecken ausgelöst. Denn er dokumentiert allzudeutlich, daß im Zusammenhang mit dem Schicksal der Juden auf seiten sämtlicher Alliierten politische Erwägungen noch allemal Vorrang vor der Menschlichkeit hatten, für die zu kämpfen sie vorgaben. Spätestens seit Ende 1940 waren die Alliierten über die anlaufende „Endlösung“ informiert. Unglaube, Skepsis, vor allem aber die Angst vor einer Flut jüdischer Flüchtlinge, denen der Westen hätte Asyl gewähren müssen, durchkreuzten alle Bemühungen zur Rettung der Betroffenen. Als 1944 die volle Wahrheit über Auschwitz bekannt wurde, wurden eventuelle Gegenmaßnahmen als „Kosten ohne Nutzeffekt“ berechnet. Vgl. dazu auch Walter Laqueur, The terrible secret, London 1981. Siehe dazu auch Gideon Hausner, Die Vernichtung der Juden, München 1979. Er belegt in diesem Zusammenhang die „vorbedachten Versuche“ des amerikanischen Außenministeriums, den Druck der Öffentlichkeit auszuschalten, indem es den Zufluß von Informationen, die ihn nährten, an der Quelle abschaltete. Hausner zitiert  u.a. Stephen Wise: „Die Geschichte möge also für alle Zeiten festhalten, daß ohne die bürokratischen Tölpeleien und die Gefühllosigkeit des amerikanischen und britischen Außenministeriums Tausende von Menschen hätten gerettet und die jüdische Katastrophe zum Teil hätte abgewendet werden können.“ Göbbels konnte nicht ohne Berechtigung in sein Tagebuch schreiben: „Im Grunde genommen sind, glaube ich, die Amerikaner und Engländer froh darüber, daß wir mit dem Judengesindel aufräumen.“ (Hausner, S. 319-327.) Dieser Verdacht lag denn wohl auch nahe. Ungeachtet der unbestreitbaren Tatsache, daß der pathologische Judenhaß der Nationalsozialisten von allem Anfang an existent und historisch von vielen (auch nichtdeutschen Quellen) gespeist war, ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, was Henry Piker zur Frage der Endlösung geschrieben hat: „Nach der offiziellen Kriegserklärung des organisierten Welt-Judentums, des Welt-Zionistenkongresses, an Deutschland vom 5. September 1939 (Jewish Chronicle vom 8. September 1939) proklamierte Hitler die Juden kollektiv zu Feinden des deutschen Reiches, die nach Völkerrecht zu internieren seien, soweit sie in seinem Herrschaftsbereich angetroffen würden. Über Schacht versuchte er sodann 1940/41 noch einmal wie bei der Evian-Konferenz von 1938, ihre Massenauswanderung nach Madagaskar oder nach einem sonstigen (nicht auf arabischen Gebiet zu errichtenden!) jüdischen Nationalstaat zu bewerkstelligen. Als das ergebnislos blieb, weil die jüdisch beeinflußten Weltbanken die Vorfinanzierung und Großbritannien das freie Geleit für die Auswandererschiffe versagten, fand im Interpol-Polizeigebäude in Berlin-Wannsee am 20. Januar 1942 unter der Leitung des Chefs des Reichssicherheitshauptamtes, SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, die berüchtigte Wannsee-Konferenz statt, wo erstmals über eine Endlösung der Judenfrage im Hitlerschen Herrschaftsbereich im Sinne einer Massendeportation der westeuropäischen Juden nach Osten beraten wurde.“ Henry Piker, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, München 1979, S. 305. Bereits im April 1943 trafen sich britische und amerikanische Vertreter auf den Bermudas und entschieden, daß nichts getan werden könnte um den Holocaust zu verhindern. Alle Pläne für eine mögliche Rettung wurden verworfen. Sowohl das britische Foreign Office als auch das amerikanische State Department befürchteten, das Dritte Reich könnte insgeheim bereit, ja sogar begierig darauf sein, die Gaskammern zu stoppen, die Konzentrationslager zu öffnen und hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen überlebende Juden in die Freiheit und damit in den Westen zu lassen. Das Foreign Office offenbarte dem State Department „im Vertrauen“ seine Befürchtung, daß jedwede Annäherung an Deutschland bezüglich einer Freilassung dazu führen könnte, daß dies tatsächlich geschieht. (David S. Wyman, The abandonment of the Jews, New York 1984, S. 342). Tatsächlich hatten die Alliierten vor der Bermuda-Konferenz die Forderung der Jewish-Agency nach direkten Verhandlungen mit den Deutschen abgewiesen, in denen geklärt werden sollte, ob Hitler bereit war, die überlebenden Juden aus dem NS-Herrschaftsbereich herauszulassen. (Martin Gilbert, Auschwitz und die Alliierten, a.a.O., S. 159). Für Churchill und Roosevelt war das Schicksal der Juden lediglich willkommenes Propaganda-Sujet.

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