Goethe – zeitlos

Erhebt Euch denn

Und stellt Euch neben mich,

Ins Chor der Treuen, die an meiner Seite

Das Rechte, das Beständige beschützen.

O diese Zeit hat fürchterliche Zeichen:

Das Nied’re schwillt,

Das Hohe senkt sich nieder,

Als könnte jeder nur am Platz des andern

Befriedigung verworr’ner Wünsche finden,

Nur dann sich glücklich fühlen,

Wenn nichts mehr zu unterscheiden wäre,

Wenn wir alle, von einem Strom vermischt

Dahingerissen,

Im Ozean uns unbemerkt verlören.

O laßt uns widerstehen, laßt uns tapfer,

Was uns und unser Volk erhalten kann,

Mit doppelt neu vereinter Kraft erhalten!

Nun bist du, Boden meines Vaterlands,

Mir erst ein Heiligtum, nun fühl ich erst

Den dringenden Beruf, mich anzuklammern.

Ich lasse dich nicht los, und welches Band

Mich dir erhalten kann, es ist nun heilig.

Johann Wolfgang von Goethe – „Die natürliche Tochter“

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